Gemeinschaft unterwegs

Gemeinsam unterwegsDass sich Jung und Alt der LKG Rostock aufmachen, um gemeinsam unser schönes Mecklenburger Land zu entdecken, ist nun schon eine lange Tradition. In diesem Jahr ging es am 21. Mai auf Entdeckungstour Richtung Malchow und Röbel. Erste Station war Serrahn. Dort konnten wir uns in der schönen Kirche die einzige baltische Orgel in Mecklenburg ansehen. Sie stammt aus dem Jahr 1738 und ist mittlerweile ein wenig renovierungsbedürftig, aber immer noch wunderschön mit den figürlichen und plastischen Schmuckausstattungen. Wir durften in den Genuss ihres Klanges kommen, als unser Busfahrer Christian Wolf, der zur Kirchgemeinde Serrahn gehört, die Orgel in all ihrer Pracht erschallen ließ.OrgelmuseumDas Orgelmuseum in Malchow war das nächste Ziel unserer Reise. Hier erwartete uns ein Rundgang und eine Führung nicht nur durch die Klosterkirche. Außerdem bekamen wir eine eindrückliche Vorführung einiger Orgeln, die aus Mecklenburg gerettet wurden, wie zum Beispiel der Sauer-Orgel, der Grüneberg-Orgel, des Jemelich-Orgelpositiv, der Winzer-Orgel, der Lütkemüller-Orgel und der Friese-Orgel. Es war sehr eindrücklich zu sehen, dass es eine 700-jährige Geschichte des Orgelbaus in Mecklenburg gibt.
Lenzer KrugIm Seehotel Falk in Lenz am Kanal zwischen dem Großen Petersdorfer See und dem Plauer See war auf der Terrasse alles für uns für das Mittagessen vorbereitet. Bei strahlendem Sonnenschein war es ein Genuss, während des Mittagessens vorbeifahrende Schiffe zu begrüßen und zu beobachten. Einige Mutige ließen es sich nicht nehmen, im Plauer See zu baden. Und dann ging unsere Fahrt weiter durch die reizvolle, von Rapsfeldern geprägte Landschaft zur kleinen Ackerbürgerstadt Röbel.
Hier durften wir etwas über die Geschichte der kleinen Stadt hören und über ein Phänomen, das selten anzutreffen ist. Während andernorts die deutschen und slawischen Siedlungen verschmolzen, trennte sich die Neustadt im späten Mittelalter wieder durch Mauer, Graben und Tor von der ehemals slawischen Altstadt. In Neuröbel hatten sich vor allem Kaufleute und Handwerker angesiedelt, die vom Landesherrn mit Hausäckern belehnt wurden, woraus die Bezeichnung „Ackerbürger” resultierte. In Altröbel verblieb die slawische Bevölkerung – Pachtbauern und Jüdisches Museum RöbelFischersleute. Ein etwa 400 Jahre anhaltender Rechtsstreit beider Ortsteile war die Folge. Unser Ziel in Röbel war der Engelsche Hof, ein Gebäudeensemble, dessen Benennung auf die viele Jahre in Röbel lebende jüdische Familie Engel zurückgeht. Zu diesem Ensemble gehört die historische Synagoge, in der wir eine besonders interessante Ausstellung zur Geschichte der Juden in Mecklenburg erleben durften. Wenn man bedenkt, dass die Hansestädte Wismar und Rostock 1332 beschlossen, den Juden auf „ewig” den Zutritt zu verwehren und ihr Vorhaben bis 1863 durchhielten, dann sind das schon sehr traurige und wenig rühmliche Beispiele des Umgangs der Mecklenburger mit ihren Mitmenschen, besonders den Juden. In der Ausstellung wird der Erinnerung und dem Gedenken jedoch ein sehr eindrückliches Zeichen gesetzt.
Nach einem sonnigen und reichhaltigen Kaffeetrinken ging unser Ausflug dann weiter nach Sietow an die Müritz und abschließend nach Alt Schwerin, wo uns Pastor Hinrichs eindrücklich Geschichten „seiner” Kirche erzählte.
Jung und Alt, 40 Leute aus Rostock, haben wieder einmal viel erlebt, gesehen und gelernt, vor allem aber sind sie miteinander unterwegs gewesen. Das ist Gemeinschaft.
Sieghard Reiter, Prediger in Rostock