Kann man Glauben lernen? Tag missionarischer Impulse in Güstrow

Kann man Glauben lernen? Um diese Frage ging es beim Tag missionarischer Impulse am 5. November in Güstrow. Rund 150 Interessierte wollten es wissen. Im Einladungsflyer schrieb Pfarrerin Dr. Brigitte Seifert, Kloster Drübeck: „Kann man Glauben lernen? – „Natürlich nicht: Er ist doch ein Geschenk!“ denke ich als erstes. Aber warum heißen diejenigen, die zu Jesus Christus gehören, „Jünger“ und „Jüngerinnen“, also „Lernende“? Und warum gibt es so etwas wie Glaubenskurse oder den kleinen Katechismus Martin Luthers? Ich bin gewiss: wenn wir diese Fragen anhand der Bibel nachdenken, werden wir Wichtiges entdecken für uns selbst und die Menschen, mit denen wir unterwegs sind.“

In ihrer Bibelarbeit am Vormittag stellte sie uns den Glauben mit drei Aspekten dar: den geschenkten Glauben (Vertrauen), den Buch-Glaube (Bibel und Traditionen) und den gelebten Glauben. Einerseits ist es immer ein Geschenk, wenn wir glauben können, andrerseits können wir uns anhand der Bibel informieren und die Glaubensinhalte „lernen“. Und wir können im gelebten Glauben konkret etwas tun, damit unser Glaube wächst. Der Vortrag am Vormittag wurde von Andreas Schlamm gehalten. Er ist Leiter des Projektes „Erwachsen glauben – Kurse zum Glauben“, das die Evangelische Kirche in Deutschland als zweiten Schwerpunkt im „Jahr der Taufe 2011“ gesetzt hat. Steigen doch bei insgesamt sinkender Anzahl an Taufen die Zahl der Heranwachsenden und vor allem der Erwachsenen an, die sich taufen lassen wollen. Doch weil es mit der Sprachfähigkeit in Glaubensfragen und um die religiöse Mündigkeit auch unter engagierten Christen nicht immer gut bestellt sei, so Andreas Schlamm, seien Glaubenskurse nicht nur eine Chance für Außenstehende, mehr über das Christentum aus erster Hand zu erfahren, sondern auch eine „Sprachschule“ für Gemeindemitglieder. Am Nachmittag wurden in Workshops acht sehr unterschiedliche Glaubenskurse vorgestellt. Jeder hatte die Gelegenheit, an zwei dieser Workshops teilzunehmen. Ich habe einige Teilnehmer des Tages Missionarischer Impulse gebeten, mir zu schreiben, wie sie diesen Tag erlebt haben und was ihnen wichtig geworden ist. Die Bilder hat uns freundlicherweise Chefredakteur Pastor Tilman Baier von der Mecklenburgische & Pommersche Kirchenzeitung, Evangelisches Wochenblatt zur Verfügung gestellt. Hans- Jürgen Siebert, Neustrelitz: Ein guter Einstieg war die Predigt von Pastorin B. Seifert über die drei Formen des Glaubens und dass sie alle wichtig sind für den Glauben. Der anschließende Austausch in kleinen Gruppen zeigte, auf welchen verschiedenen Wegen Menschen zum Glauben kamen. Dorothea Neumann, Ludwigslust: Am Vormittag wurde die Frage gestellt: “Kann man glauben lernen?” Glauben können ist ein Geschenk. Man kann es üben, lernen nicht so. Wie ein Baby das Vertrauen der Mutter annimmt, kann ich mich an Gott binden. Gott macht mit uns / mir Geschichte. Was wir anschauen, worüber wir meditieren, das wird uns prägen – auch bei Traditionsabbruch. Lernen geht nur über Üben, einüben. Zum Lernen gehörte für die Jünger die Lebensgemeinschaft mit Jesus, ihrem Lehrmeister. Glauben ist ein Beziehungsgeschehen, ein Hineinwachsen in eine Beziehung mit Jesus. Diese Beziehung zu pflegen ist die eigentliche Lernaufgabe und geschieht in einer Lerngemeinschaft (Gemeinde). Ich fand sehr gut, dass wir darauf hingewiesen wurden, uns auf die Sprache der Menschen um uns herum einzustellen. Ein Beispiel: Das uns vertraute Psalmwort: “Befiehl dem Herrn…”könnte bei anderen die Frage aufwerfen: „Wie kann ich Gott etwas befehlen?“ So leicht kommt es zu Missverständnissen!

Silvia Lennert, Neustrelitz