Mitten im Leben – Gott begegnen

Andreas von Maltzahn TmI 2010Das war neu! Im Festsaal der Güstrower Verwaltungshochschule fand der diesjährige „Tag missionarischer Impulse” statt. Einige Teilnehmerinnen und Teilnehmer irrten erst draußen umher, bis sie den Eingang fanden. Dann war das Erstaunen groß: Ein richtiger Festsaal mit großer Bühne und viel Platz auch für Infostände am Rande. Hoher Besuch hatte sich mit Dr. Andreas von Maltzahn, dem Bischof der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche angekündigt. Er wollte am 6. November 2010 nicht nur Teilnehmer, sondern auch Referent sein. Zum Thema „Mitten im Leben – Von Gott reden. Missio Dei als unsere Mission” hielt er einen viel beachteten Vortrag. Es zeigte sich, dass Andreas von Maltzahn nicht nur ein guter Theologe, sondern auch ein erfahrener Praktiker ist. Andreas von Maltzahn02 TmI 2010„Mission ist kein Arbeitsauftrag neben anderen, sondern Wesenmerkmal der Kirche” stellte er vor rund 200 Besuchern klar. Es sei aber nicht Aufgabe einzelner Christen, Kirche zu bauen. „Gott sorgt dafür, dass Menschen zum Glauben finden.” Das befreie vom Erfolgsdruck. „Wir müssen uns nicht alles zuschreiben, weder Niederlagen noch Siege. Kirche ist Gabe Gottes, ersehnt und erwartet.” Die Frage sei, wo wir Gottes Mission entgegenstehen. In den meisten Gemeinden gäbe es ein „Revierverhalten” wie bei Leuten, die sich in einem Zugabteil ausbreiten und Mitreisende als Eindringlinge behandeln. So etwas mache es Außenstehenden schwer, Zugang zur Gemeinde zu finden. Auch eine formelhafte und Insidersprache könne Gottes Wirken behindern. Christen müssten sprach- und dialogfähig werden.
Pfarrer Hartmut Bärend (Berlin), der frühere Generalsekretär der Arbeitsgemeinschaft Missionarische Dienste (AMD) sprach zum Thema „Schritte zu den Menschen”. „Ohne Schritte geht FH Güstrow TmI 2010es nicht”, führte er aus. Warum Schritte zum Leben gehören, wir als Christen gefragt werden, warum uns Schritte guttun, wir uns vorfreuen können, etwas zu geben haben, wie Schritte konkret aussehen und dass am Ende doch die Freude steht. Gegen das allgemeine Klagen über Misserfolge in Mission und Evangelisation erklärte Bärend: „Ich möchte mir nicht so gern die Freude nehmen lassen.” Gott sei immer schon da. Wir treffen Menschen, die vorbereitet worden sind. „Warum sollte nicht der gute Heilige Geist in Mecklenburg eine Erweckung geschehen lassen?!”
Wie Schritte zu den Menschen aussehen, erläuterte Bärend an Beispielen. „Vor der Aktivität steht die Spiritualität”. Wer seine Beziehung zu Gott nicht pflege, könne anderen Menschen nichts davon weitergeben. Bärend ermutigte nicht nur zu einem aktiven Gebetsleben, sondern auch dazu, Hartmut Bärend TmI 2010verheißungsorientiert zu leben, echt zu sein, an der Sprache zu feilen, gastfreundlich zu sein, aufsuchend zu leben und Geduld zu haben. Am Ende steht doch die Freude. „Wir bringen Menschen das Beste und empfangen das Beste.”
Unter der Überschrift „Auch das gibt es in Mecklenburg-Vorpommern” wurden gelungene Projekte vorgestellt. Zum Beispiel das warme Essen für Schulkinder im „Fischkutter” der Kirchgemeinde Rostock-Toitenwinkel. Bernhard Scharrer legte in anschaulicher Weise dar, wie Christen im dörflichen Leben Chancen nutzen können. Ruth Weiss und Kathrin Stumpf warben Boitin, einem Ort zur inneren Heilung.
Die Auswertung eines Fragebogens erbrachte, dass den Erwartungen bei 95% der Teilnehmerinnen und Teilnehmer sehr gut bzw. gut entsprochen worden waren. Der Austausch mit anderen Teilnehmenden könne noch umfangreicher sein.
Der nächste „Tag missionarischer Impulse”, der vom Konvent für missionarische Gemeindearbeit in Mecklenburg, dem Amt für Gemeindedienst, dem Greifswalder Institut und den beiden Gemeinschaftsverbänden in Mecklenburg-Vorpommern verantwortet wird, findet am 5. November 2011 wieder im Festsaal der Güstrower Verwaltungsfachschule statt.
Hartmut Stropahl, Rostock