Wachsen im Glauben, Lieben und Leiten
Vom 28. bis 30. Januar fand in Karlsruhe ein Willow-Creek-Leitungskongress statt. Unter den fast 8.000 Teilnehmern aus Kirchgemeinden, Freikirchen und Gemeinschaften waren aus unserem Verband die Prediger Silvia Lennert und Sieghard Reiter, Inspektor Hartmut Stropahl sowie EC-Kinder- und Jugendreferent Danilo Wilkens mit dabei.Silvia Lennert schreibt: „Schon der Auftakt hat mich sehr angesprochen. Unter dem Thema „Mut zur Wahrheit” wurde die eigene Gemeinde unter die Lupe genommen. Wer kommt in und gehört zu unserer Gemeinde? Suchende? Anfänger im Glauben? Christen, die geistlich wachsen? Auch solche, die Jesus Christus wirklich als Mittelpunkt ihres Lebens haben: Christen, die leben, um ihn zu verherrlichen; die eigene Gedanken zurückstellen und fragen, was Jesus will; die bereit sind, sich einzubringen und aus Liebe zu Jesus anderen dienen; die ihre Lebenssituation mit seinen Augen sehen und beurteilen? Die nicht nur beten, damit Jesus sie segnet, sondern bei denen es wirklich um Christus und das Reich Gottes und die Verherrlichung Gottes geht? Diese Fragen konnten nicht gehört werden, ohne darüber nachzudenken, wie es eigentlich in meinem Leben aussieht – und ob ich als Leiter helfe, dass Mitarbeiter geistlich wachsen. Weiß ich eigentlich, wo sie stehen und was nötig ist, damit aus Leuten, die mit Christus leben, christuszentrierte Nachfolger werden? Leite ich sie an, sich selber „zu ernähren” – also zum Bibellesen? Helfe ich ihnen, dass sie lernen, anderen zu dienen? Leben sie die Gemeinschaft in Jesus Christus in einer kleinen Gruppe mit anderen Christen? Viele Fragen, die weiter bedacht und auch im Vorstand besprochen werden sollten…”
Sieghard Reiter schreibt: „Besonders beeindruckt hat mich der Beitrag von Prof. Dr. Johannes Reimer zum Thema: ‚Wie die Gemeinde durch soziale Verantwortung wachsen kann’. Er begann seinen Vortrag mit einer Liebeserklärung: ‚Ich bin bis über beide Ohren verliebt. Meine zweite große Liebe heißt Gemeinde’. Gemeinde Jesu ist dazu angelegt, um zu wachsen. Aber wächst Gemeinde automatisch? Oft betreiben wir einen Transfer der Heiligen. Wie aber wächst Gemeinde, dass sie eine attraktive Braut Christi wird?
Jesus sagt: ‚Ich, ich, ich will bauen … meine Gemeinde.’ Die Frage stellt sich: Stimmt das, was Jesus will und das, was wir wollen überein? Was Jesus darunter versteht, bezeichnet er mit dem Begriff: „ekkelesia” (= Die Herausgerufenen). Wir können bauen, was wir wollen; Jesus wird nichts anderes bauen als seine Ekklesia. Jesu Ekklesia meint den soziokulturellen Raum. Er fordert heraus, die Belange des ganzen Volkes im Blick zu haben und zu lösen. Jesu Auftrag lautet: ‚Ihr werdet meine Zeugen’. Zeuge sein nicht nur mit der Zunge (= Predigt), sondern mit Hingabe (= martyria). Hingabe im Wissen dessen, was wir besitzen. Aber auch mit der Frage: Was brauchen die Leute. Wenn wir fragen, welche Nachricht für die Leute die Beste wäre, müssen wir auch die Bedürfnisse vor Ort genau kennen. Wir sollen uns wieder dahin wenden, wo die Leute mit ihren Problemen leben, um für sie da zu sein, um uns für sie hinzugeben. Aber wollen wir das wirklich? Wenn ja, werden wir wachsen, denn Jesus baut seine Gemeinde mit den Menschen, die ihn suchen, dort wo sie leben und nicht dort, wo wir es gerne hätten. Wir brauchen eine neue Bewegung der Hingabe an die Orte und Städte, an die Menschen, dort, wo wir wohnen, dort, wo sie leben.”
Für Hartmut Stropahl war der Vortrag von Professor Dr. Michael Herbst „Lernen aus Erfolg und Fehlern: Willow-Ansätze in der Landeskirche”: „Professor Herbst stellte heraus, was die Willow-Creek-Gemeinde in Chicago so nachahmenswert macht. Zuerst liebt Willow Creek Jesus. Er ist der Lebendige. Mit ihm ist hier und jetzt zu rechnen. Wenn wir auf die geringen Zahlen sehen, uns die Puste auszugehen droht, dürfen wir glauben: Er ist der Lebendige, bei uns alle Tage. Deshalb kann es uns nicht so schlecht gehen, wie wir vorgeben.
Willow Creek demonstriert auch, dass Jesus der ist, der missioniert. Er verlässt alles, lernt alles kennen. Nicht wir sind wichtig. Wie Jesus alles hinter sich ließ, sollen wir alles hinter uns lassen. Hinter Jesus, dem ersten Missionar hergehen, z.B. ins Greifswalder Ostsee-Viertel und Freundschaften riskieren.
Professor Herbst zeigte auch Fehler auf, die wir machen können, wenn wir Ansätze von Willow Creek bei uns umsetzen wollen: Tun, wozu wir nicht begabt sind, was nicht zu den Menschen passt, das Beten vernachlässigen, Uneinigkeiten nicht ausräumen und die Entscheidung der Menschen nicht ernst nehmen. Wer in der Gemeinde Neues einführen will, muss reden, hören, reden, hören…. Für Professor Herbst ist wichtig, dass wir einen Spagat zwischen Altem und Neuem machen. Das Alte muss mit Liebe gepflegt werden, das Neue Raum bekommen. Wir dürfen uns nicht verausgaben. Das Wenige tun, dafür aber gut. Es im Geist Jesu tun. Ballast abwerfen. Wenn wir weiter machen wie bisher, bleiben wir nicht wie bisher.”
Danilo Wilkens schreibt: „Ich möchte kurz über einen Vortrag berichten, den Bill Hybels, Gründer der Willow Creek Gemeinde, zum Thema: ‚Leiten in Zeiten der Veränderung‘ gehalten hat. Unter anderen gab er uns zwei Tipps, wie wir als Leiter und Christen Gottes Plan für uns herausfinden können. 1. Achte auf das Flüstern des Heiligen Geistes. Gott ruft uns nicht mit lauter und alles übertrumpfender Stimme, meist ist es nur ein Flüstern. Mir fällt es sehr schwer dieses Flüstern wahrzunehmen und ich denke, dass ich es sicher schon oft überhört habe, aber um wie viel reicher wäre mein Leben, wenn ich es schaffe dieses Flüstern wahrzunehmen und in mein Leben als Gottes Stimme zu erleben? Es wäre gigantisch. 2. Finde heraus, wo du deine größte geistliche Leidenschaft / Leiterschaft hast! Als Leiter sind wir oft in der Bedrängnis Aufgaben zu übernehmen, die wir eigentlich nicht als unsere Gabe betrachten. Dennoch übernehmen wir sie, da ja sonst keiner da ist. Aber muss das wirklich sein? Mir persönlich machen Sachen immer am meisten Spaß, wenn ich sie gut kann oder sie mir wichtig sind. Wie schön wäre es, wenn jeder Leiter wüsste, wo seine größte geistliche Leidenschaft liegt und er sie ungehindert in den Gemeinden einsetzt! Gott hat mit jedem von uns einen Plan. Erlauben wir ihm, diesen Plan mit uns durchzusetzen?”



